2018-01-13 07:38:19

DAM und EVP: "Stream Team" für das Zeitalter der Videos

Sebastian Picklum

Der Einsatz von Videos in Unternehmen steigt exponentiell an. Viele Digital-Asset-Management-Anbieter integrieren deshalb eine Enterprise-Video-Plattform in ihre Systeme, um sie mit der nötigen technologischen Infrastruktur für dieses spezielle digitale Asset auszustatten. Diese Kombination ermöglicht nahtlose Video-Workflows und stellt die Verfügbarkeit des Mediums in sämtlichen Ausspielkanälen sicher; von Sebastian Picklum *)

S. Picklum

Digital-Asset-Management (DAM)-Systeme sind als Dreh- und Angelpunkt bei der Verwaltung und Bereitstellung digitaler Inhalte schon seit längerem fest in Unternehmen etabliert. Das ist auch kein Wunder, denn sie bringen für diese Aufgaben hervorragende Eigenschaften mit. So ermöglichen sie die Anreicherung der Assets mit umfangreichen Metadaten und ihre Gliederung durch komplexe Taxonomie-Bäume. Das erlaubt es Unternehmen, ein- und dieselben Assets in zahlreiche verschiedene Strukturen einzubinden und so in den unterschiedlichsten Kontexten auffindbar zu machen. Mit ihren Workflows ermöglichen sie außerdem durchgängige Freigabeprozesse und unterstützen das nahtlose Ausspielen von digitalen Inhalten auf den unterschiedlichsten Kanälen.

Key Visual

Dabei haben es die DAM-Systeme nun zunehmend mit Videos zu tun. Ihr Einsatz in den Unternehmen steigt exponentiell an und sie schicken sich an, die externe und interne Kommunikation nachhaltig zu verändern. Der Grund dafür ist so einfach wie überzeugend: Mit Videos lassen sich Inhalte einfach verständlicher, kurzweiliger und emotionaler vermitteln. Diese Gelegenheit ergreifen Unternehmen natürlich gerne und nutzen Videos, um ihre Produkte pfiffiger bei Kunden zu vermarkten, ihren Mitarbeitern einen produktiveren Austausch zu ermöglichen, oder sich Investoren und Nachwuchskräften noch überzeugender zu präsentieren.

Ohne eine technologische Infrastruktur für Videos kommen DAM-Systeme deshalb nicht länger aus. Dazu zählen:

  • Transcoding. Da Videos von den unterschiedlichsten Endgeräten aus abgerufen werden, ist eine Transkodierung erforderlich, die hochgeladene Videos automatisch in verschiedenste Formate und Qualitätsstufen umwandelt. Dann kann jedes Video an jeden einzelnen Endanwender in der bestmöglichen Qualität ausgeliefert werden – egal, ob er einen Desktop, ein Tablet oder ein Smartphone nutzt.

  • Streaming. Vor allem um interne Netzwerke zu entlasten, ist außerdem ein echtes Streaming erforderlich. Damit werden Videos bereits abgespielt, während das Endgerät die Daten herunterlädt; und es wird immer nur das heruntergeladen, was gerade zum Abspielen nötig ist. Da immer nur kleinere Datenmengen über das Netz laufen, wird anderer Traffic, etwa von kritischen Unternehmensanwendungen, nicht beeinträchtigt. Auch in Umgebungen mit geringen Bandbreiten – wie sie sich in Unternehmen häufig finden – lässt sich so der Einsatz von Videos realisieren.
  • Intranet CDN. Der gleichzeitige Abruf eines Videos durch sehr viele Mitarbeiter bleibt trotz Transcoding und Streaming eine Herausforderung für ein Unternehmensnetzwerk. Der Grund dafür sind die Eingänge in die verschiedenen Netzwerksegmente, die in der Regel kritische Engpässe darstellen. Ein Enterprise Content Delivery Network (eCDN) entlastet diese Engpässe, indem es ein Video erst einzeln hinter die Eingänge sendet und dann von dort aus über Streaming-Server oder Peer-to-Peer-Verbindungen an alle Endnutzer verteilt.
  • Internet CDN. Damit Corporate Videos externen Nutzern weltweit mit optimaler Performance zur Verfügung stehen, ist außerdem ein Internet CDN erforderlich. Ein solches Netzwerk besteht aus global verteilten Servern, auf denen die Videos gecacht werden. Ruft ein Nutzer irgendwo auf der Welt ein Video ab, wird es ihm von einem Server ausgeliefert, der sich möglichst nahe am Standort des Nutzers befindet. Der Weg, den das Video zurücklegen muss, ist dadurch erheblich verkürzt und die Auslieferung kann erheblich schneller erfolgen. Außerdem kann via Internet CDN das Streaming skaliert werden. Bei erhöhten Zugriffszahlen kommen automatisch mehr Server zum Einsatz, so dass mehrere Millionen Nutzer gleichzeitig auf ein Video zugreifen können.
  • Player-Software. Die letzte nötige Komponente der Auslieferungskette bis hin zum Abspielen der Videos auf den Endgeräten ist eine geeignete Player-Software. Sie muss Funktionen wie Kapitelunterteilung, Untertitelanzeige Lautstärkeregelung und interaktive Schaltflächen bereitstellen und eine heterogene Clientlandschaft unterstützten – mit unterschiedlichen Endgerätetypen, verschiedenen Plattformen wie Windows, iOS oder Android sowie aktuellen und älteren Browser-Versionen. Nötig ist eine Intelligenz, die erkennen kann, von welchem Endgerät aus ein Video abgerufen wird und wie dessen Umgebung aussieht, und dann automatisch einen passenden Player einbette
  • Zeitbasierte Metadaten. In Videos sind Informationen naturgemäß entlang eines Zeitstrahls angeordnet. Das Tagging der Videos erhält dadurch eine zeitliche Dimension. Es muss spezifizierbar sein, von wann bis wann beispielsweise eine bestimmte Person, ein bestimmtes Produkt oder ein bestimmtes Thema in einem Video vorkommen. Nur dann kann man in längeren Videos direkt zu den relevanten Stellen springen. Die Metadaten von DAM-Systemen können das üblicherweise nicht ohne Weiteres abbilden, da ihre Metadatenfunktionen keine zeitliche Dimension unterstützen.

Ein internes Content Delivery Network entlastet Netzwerkengpässe durch die Zwischenspeicherung von Videos.

Eigene Videoinfrastruktur wäre ineffizient

Natürlich könnten die DAM-Hersteller ihre Systeme einfach selbst mit all diesen Technologien und Verfahren ausstatten. Das wäre aber aus mehreren Gründen ineffizient. Zum einen bilden DAM-Systeme wie Celum oder Cumulus zwar das Zentrum bei der Verwaltung und Auslieferung digitaler Assets, sind aber in der Regel nicht die einzigen Systeme. In die Freigabe- und Ausspielung-Workflows sind stattdessen häufig weitere Lösungen involviert. Dazu zählen Content-Management-Systeme wie Adobe Experience Manager, Magnolia, SiteCore oder FirstSpirit, E-Commerce-Plattformen wie IBM WebSphere, Produkt-Informations-Systeme oder Intranet-Plattformen wie Jive, Liferay und Microsoft SharePoint – und sie alle müssen das Medium Video beherrschen. Zum anderen gibt es in den Unternehmen auch Use Cases, bei denen Videos ohne Beteiligung der DAM-Systeme zum Einsatz kommen. Etwa dann, wenn Mitarbeiter mit ihrem Smartphone schnell ein Video aufnehmen, um ihren Kollegen einen Sachverhalt kurz und knackig zu erläutern, und dieses Video in soziale Unternehmensmedien einstellen oder einfach per Mail verschicken.

Würden die DAM-Anbieter ihre Systeme mit einer eigenen Video-Infrastruktur ausstatten, wären die anderen Lösungen dadurch noch lange nicht Video-fähig. Verfügen diese selbst über eigene Video-Technologien, wären wiederum mehrere unterschiedliche Infrastrukturen im Einsatz, die parallel betrieben und deren zahlreiche Schnittstellen aufwändig gepflegt werden müssten. Deshalb gehen viele DAM-Anbieter einen anderen Weg und integrieren ihre Systeme in spezielle Enterprise-Video-Plattformen (EVP) wie beispielsweise movingimage. Diese EVP stellt Unternehmen die komplette technologische Infrastruktur für den Einsatz von Videos für sämtliche Fachsysteme zentral bereit, lässt sich über eine moderne REST-API unkompliziert an diese Systeme anbinden und „videofiziert“ sie damit.

Eine Player-Software macht Videos auf den unterschiedlichsten Endgeräten abspielbar.

EVP sorgt im Hintergrund für reibungslose Abläufe

Auf diesem Weg haben etwa die Anbieter der DAM-Systeme Celum und Cumulus Standard-Konnektoren ihrer Lösungen zur movingimage-EVP geschaffen, die sich „out of the box“ nutzen lassen. Sie stellen die zentrale Verwaltung von Videos in den DAM-Systemen sicher und gewährleisten, dass sie von dort aus in sämtlichen Ausspielkanälen verfügbar sind. Damit ermöglichen sie durchgängige Freigabe- und Ausspiel-Workflows. Mitarbeiter aus den Fachabteilungen oder von Produktionsfirmen können Videos in das DAM hochladen, wo sie von Redakteuren, Sales-, HR- und Produktmanagern oder anderen Verantwortlichen gesichtet, mit Metadaten angereichert und für bestimmte Kanäle freigegeben werden. In den angebundenen Systemen lassen sie sich anschließend einfach per Drag- and Drop in bestimmte Webseiten ziehen und veröffentlichen.

Im Hintergrund sorgt die EVP dabei für reibungslose Abläufe. In das DAM-System hochgeladene Videos werden automatisch an die EVP weitergeleitet. Die Plattform transcodiert sie dann in Standardformate mit verschiedenen Qualitätsstufen und meldet die zum Abspielen nötigen Embed-Codes zurück. Diese Codes werden als Referenz in das DAM und die anderen beteiligten Systeme eingebettet; die Videos selbst müssen dazu nicht in die Systeme geladen werden, sondern verbleiben auf der zentralen Plattform. Sie werden erst in dem Moment gestreamt, in dem ein Nutzer sie anklickt. Je nachdem, von welchem Endgerät und welchem Standort aus das geschieht, wird ein und dasselbe Video dabei auf unterschiedliche Art und Weise ausgespielt – mit dem passenden Player, der idealen Auflösung und hochperformant über das interne oder externe Content Delivery Network. Damit ist sichergestellt, dass jedes Video auf jedem beliebigen Endgerät in der bestmöglichen Qualität ankommt.

*Sebastian Picklum ist Product Vision Owner bei movingimage in Berlin

Druckversion