2015-01-25 07:52:20

Hacker dieser Welt – wo befindet ihr euch?

In der Presse steht, dass in China, Russland und jetzt auch in den USA die Hacker-Horden zu lokalisieren sind. Sind dies nur Gerüchte oder steckt hinter diesen Meldungen auch Funken von Wahrheit?

Mathias Hein

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Meine Frau fragte mich vor kurzem: „Wo wohnen die Hacker genau? Wenn man weiß, wo die Hacker wohnen, dann kann man diese doch ganz einfach ausschalten!“ Auch ich frage mich natürlich, wo die Hacker-Horden zu finden sind. Glaubt man den neuesten Studien und Berichten dann entsteht ein sehr diffuses Bild. Es scheint, dass die umherziehenden Hacker-Horden immer in dem Land lokalisiert werden, welches am weitesten vom Urheber des Artikels oder der Studie entfernt liegt. Es sei hier bereits vorweg genommen, eine definitive Antwort auf die Frage der Verortung der Hacker gibt es nicht.

Hacker wissen um die Verwundbarkeit der digitalen Welt und machen sie sich zunutze: Hacker dringen in fremde Netzwerke ein und untersuchen neue Technik, um deren Schwachstellen offenzulegen. Getrieben von der eigenen Neugier bewegen sie sich dabei immer wieder am Rand der Legalität.

Hacker sind inzwischen jedoch kaum noch Einzelgänger, die auf Schwachstellen hinweisen wollen. Da ist sehr viel organisierte Kriminalität im Spiel. Unternehmen werden mit der Drohung erpresst, ihre Computersysteme lahmzulegen... und es steigt die Bedrohung durch digitale Industriespionage.

Glaubt man den seit Jahren ins Kraut schießenden Gerüchten, dann sorgen solche Länder mit einem guten Bildungssystem aber schlechten Berufsaussichten für den notwendigen Nachschub an Hackern. Die Kinder und Jugendliche können gut mit den Computern umgehen und verfügen über eine solide technisch-wissenschaftliche Ausbildung. Wenn diese die Schulen oder Universitäten verlassen, kann der lokale Arbeitsmarkt diesen Menschen keine keine ihren Fähigkeiten angepasste Arbeit bieten. Aus diesem Grund nutzen die Jugendlichen ihre erworbenen Computer-Fähigkeiten und landen manchmal im Hacking-Untergrund.

So sollen beispielsweise viele junge Bulgaren nach dem Fall der Kommunisten aus Frustration über die korrupte Regierung ins Hacking-Geschäft eingestiegen sein. Die Kommunisten hatten die Leben ruiniert und nach dem Fall des Kommunismus verspielten verantwortungslose Politiker die Zukunft des Landes. Die Kinder nutzten ihre Computer-Kenntnisse gegen schlecht gesicherte Unternehmen und gegen ausländische Regierungen aus. Diese Ereignisse wurden durch die gleichzeitige Reduzierung der Bandbreitenkosten unterstützt. Was als Hinterhofpiraterie begann lockte sehr schnell die organisierte Kriminalität an. Zu lukrativ war der Markt und zu gering die Wahrscheinlichkeit, von den Polizeibehörden gefasst zu werden.

Zu den bekannt gewordenen bulgarischen Hacks gehörte beispielsweise ein Hacker-Ring namens „Shadow“ der mit einem Identitätsdiebstahl im großen Stil in Verbindung gebracht wurde. Shadow nutzte das Internet zum Diebstahl von Kreditkartennummern und zum illegalen Kopieren von E-Mails. Der Hacker-Ring wurde im Jahr 2004 von Interpol gesprengt.

Die Russen sind die „größten“ Hacker

Die Gegenspieler sitzen viele Tausend Kilometer vom Angriffsziel entfernt und fühlen sich in Hochhäusern, Kasernen oder Privatwohnungen pudelwohl. Für ihre Raubzüge benutzen sie Viren und Trojaner, mit denen sie tief in Forschungs- und Innovationszentren eindringen. Inzwischen gilt auch gesichert, dass staatlich russisch unterstützte Spione koordinieren Angriffe gegen politische und militärische Ziele der NATO und der Europäischen Kommission führen. Es sind digitale Datendiebe, die nach Firmeninterna dürsten, gesteuert von staatlichen Hacker-Brigaden oder kriminellen Banden.

Hacker-Soldaten aus Russland sind auf der Suche nach nützlichen Informationen, mit dem Ziel, innovative Produkte zu kopieren. Seien es Hightech-Produkte wie Medikamente oder Rüstungstechnik – tagtäglich fließt Know-how, der wertvollste Rohstoff der führenden Industrienationen, ab. Damit wächst die Gefahr, dass die "Kronjuwelen der Wirtschaft" ihre Besitzer wechseln. Geklaut wird mithilfe von Viren und Trojanern, unter Einsatz von menschlichen Spitzeln, mit präparierten USB-Sticks oder E-Mails.

Viele Hacker-Angriffe haben ihren Ursprung in China

In vielen Fällen, in denen sich die geografische Herkunft der Attacken lokalisieren lässt, kommen die Spionageversuche aus Asien. Die Wirtschaftsspionage über das Internet verursacht laut der Washington Post für die USA hohe Schäden. Die Schätzungen der jährlichen Einbußen reichen von 24 bis 120 Milliarden US Dollar. Der tatsächliche Aderlass allerdings könnte sogar noch um einiges größer sein – schlicht weil niemand genau ermessen kann, welche Informationen tatsächlich bereits auf dem Weg zum Kopieren sind. Ein Bericht des US-Kongresses aus dem Jahr 2012 bezeichnete China als den "bedrohlichsten Akteur im Cyberspace".

Wirtschaftsspionage ist ein leiser Angriff. Der Dieb kommt, durchbricht die Sicherheitsvorkehrungen, saugt Daten ab und verschwindet. Bemerkt wird der virtuelle Einbruch meist zu spät. Oder gar nicht. Entsprechend sind alle Schätzungen nicht mehr als ein Tappen im Dunklen.

Nach Einschätzung der USA haben zahlreiche Hackerangriffe ihren Ursprung in China. Dies geht unter anderem aus geheimen amerikanischen Unterlagen hervor, die in den vergangenen Jahren auf der Enthüllungs-Website Wikileaks veröffentlicht wurden. Auch die US-Wirtschaft forderte immer wieder von der Regierung ein Vorgehen gegen ausländische Hackerangriffe und verwies dabei insbesondere auf China.

Die USA haben China inzwischen offiziell der Cyberspionage bezichtigt. Ein Anklagegericht hat fünf Angehörigen des chinesischen Militärs Hackerangriffe auf amerikanische Firmen vorgeworfen. Betroffen sind sechs Unternehmen aus den Bereichen Atomkraft, Solartechnik und Metalle. Es handle sich um Industriespionage. China wies die Vorwürfe als erfunden zurück.

Die Anklage ist eher symbolischer Natur, da die Angeklagten wohl nicht ausgeliefert werden. In der Praxis verhindert sie die Einreise der betroffenen Personen in die USA oder Staaten mit einem Auslieferungsabkommen. 

Auch die Amerikaner und England sind im Hacker-Club

Seit geraumer Zeit ist bekannt, dass unter anderem die USA auch im Bereich der Wirtschaftsspionage aktiv ist. Spätestens mit dem Auffliegen der NSA-Spionageversuche gibt es Vermutung, dass auch die USA Industriespionage betreibt. 22 Prozent der Spionageangriffe stammen aus Nordamerika und immer mehr Unternehmen müssen feststellen, dass Angriffe aus befreundeten Staaten heraus stattfinden. Die Spionage wird immer zielgerichteter. Es geht den Akteuren weniger um grundsätzliche Daten wie Patente. Sie suchen viel mehr ganz genau nach Unterlagen zu einem speziellen Geschäftsvorgang, etwa einem Auftragsangebot oder Details zu einer bevorstehenden Übernahme.

Viele Unternehmen investieren inzwischen viel, um ihre sensiblen Daten zu schützen. Als Reaktion auf diese Abschottungsmaßnahmen nehmen sich die Spitzel dann verwandte Ziele vor, etwa Beraterfirmen oder Anwaltskanzleien, die mit den Vorgängen in den Zielunternehmen betraut sind.

Die Geheimdienste forschen eben nicht nur Politiker und andere Bürger aus: Der ehemalige Direktor der CIA, James Woolsey, bestätigte inzwischen, dass die USA Wirtschaftsgeheimnisse stehlen und dass es nun verstärkte Anstrengungen bezüglich Wirtschaftsspionage gäbe. Er behauptete, dass Wirtschaftsspionage gerechtfertigt sei, da europäische Unternehmen eine nationale Kultur der Bestechung hätten und dass sie als erste im Verdacht" stünden, "wenn es darum geht, Bestechungsgelder im Zusammenhang mit großen internationalen Aufträgen zu zahlen.

Woolsey behauptete, dass die Ergebnisse amerikanischer Wirtschaftsspionage normalerweise von der US-Regierung weiterbehandelt und nicht an US-Wirtschaftsunternehmen weitergegeben würden. Die USA hätten wenig Bedarf an High-Tech-Spionage, da die amerikanische Industrie in vielen Bereichen technologisch weltführend ist.

Fazit

Wie die digitalen Angriffe auf die Unternehmen insgesamt aussehen, ist weitgehend unbekannt. Wer attackiert wird, errichtet meist Mauern des Schweigens um sich, weil er um seine Reputation fürchtet. Diese Mauern müssen eingerissen werden! Die Industrie kann sich auf Dauer nur effizient gegen digitale Bedrohungen schützen, wenn sie zusammenarbeitet.

Viele Unternehmen fühlen sich durch Hacker und Spione aus Russland oder Asien bedroht. Doch oft liegt die Gefahr viel näher: Fast die Hälfte der Täter sind die eigenen oder ehemalige Mitarbeiter. Ein Risiko sind nicht nur böswillige Mitarbeiter, sondern auch die arglosen, die sich unwissentlich infizierte Anwendungen auf das Smartphone laden oder in sozialen Netzwerken zu redselig sind. Es ist wichtig, die Mitarbeiter zu sensibilisieren und zu kontrollieren, was sie im Internet über die Firma veröffentlichen.