2018-09-19 05:26:58

Social Media Video klaut den regulären Streaming-Diensten viel Aufmerksamkeit

Das Einzige, was Netflix, Amazon, YouTube und Facebook Watch gemeinsam haben, ist, dass diese Plattformen alle Videoinhalte bereitstellen.

Die Hollywood-Manager hofieren seit längerer Zeit bereits Netflix und Amazon, weil diese inzwischen die großen reichen Aufkäufer von Filmen sind.

YouTube und Facebook waren nur Orte, an denen Kinder und „Möchtegernegroß“ ihre Inhalte veröffentlichten, die von dumm bis anregend, von dumm bis brillant, von vulgär bis eloquent, von geschmacklos, von stilvoll bis wirklich kreativem Zeug changieren. Mit anderen Worten, ein echter Querschnitt durch die Online-Welt:

  • Diese Inhalte gehörten entweder der FAANG (Facebook, Amazon, Apple, Netflix, Google) oder der BAT (Baidu, Alibaba, Tencent) Gruppe an, die dem klassischen Fernsehen die Sendezeit streitig machten.
  • Diese Inhalte waren irgendwie dem Fernsehen ähnlich, aber eben auch anders.
  • Beim Mensch erfolgt die Verarbeitung von Video schneller als von Text.... 60.000 Mal schneller!
  • Wenn das Video gut ist, ist das Ergebnis auch gut.
  • Wenn das Video schlecht ist, ist das Ergebnis immer noch ziemlich gut.
  • Das Video weckt Emotionen, lockt zum persönlichen Kontakt und regt den Betrachter zu mehr Information an. 

In dieser Aussage steckt der tiefere Sinn von Video.

Die diesjährige VidCon (Multi-Genre-Video-Convention) war anders, weil es kein reiner YouTube-Event mehr war. Darüber hinaus, obwohl die meisten Besucher sicherlich nicht bemerkt haben, gab es einen Wechsel an der Spitze des Unternehmens.

Amazon, Apple, Netflix, Tencent und andere OTT-Kanäle unterscheiden sich von den VidCon-Kanälen dadurch, dass diese ihre eigenen Inhalte erwerben oder produzieren lassen.

Dagegen bieten YouTube, Facebook Watch, Snapchat, Instagram und die anderen Social Media Anbieter eine werbefinanzierte, aber irgendwie kostenlose Möglichkeit für Menschen, sich vor einem großen Publikum zu etablieren.

Die Social-Media-Seiten sind jedoch von großem Interesse, weil sie die gesellschaftlichen Schichten repräsentieren, die die OTT-Anbieter auch erreichen wollen, um ihr Publikum zu vergrößern.

Aus diesem Grund gehören Teaser und Trailer in Social Media inzwischen zu einem integralen und effektiven Bestandteil von Kino- und TV-Show-Marketingkampagnen.

YouTube erzählte den VidCon-Teilnehmern, dass deren Reichweite inzwischen auf 1,9 Milliarden monatliche Zuschauer angewachsen ist. Dadurch gehört YouTube automatisch zu einem ernsthaften Konkurrenten für Netflix, Amazon und Co, die noch mehr OTT-Zuschauer gewinnen bzw. noch mehr Abonnements verkaufen wollen.

Ein weiterer Unterschied der diesjährigen VidCon bestand darin, dass es viel mehr Studio-/TV-Manager, Talentsucher und Werber gab, die sich dafür interessierten, was die sogenannten "Farmteams" zu bieten hatten. Sie suchen die Menschen, die inzwischen an der Spitze der Nahrungskette stehen und den Nachwuchs beeinflussen. 

Die Inhalte-Industrie war schon immer als Pyramide aufgebaut und die Social-Video-Welt spiegelt die Hierarchien sehr genau wider.

  • Es gibt einige wenige an der Spitze, die "über Nacht" Stars wurden.
  • Dann gibt es die mittleren Schichten, die aus Leuten bestehen, die ein bescheidenes bis anständiges Leben als Produzenten/Regisseure/Stars führen. 
  • Die überwiegende Mehrheit der Menschen hält sich mit regulären Jobs über Wasser und lebt für den Traum, dass sie vielleicht eines Tages den großen Durchbruch schaffen werden.

Social Media gibt der Generation von Kindern, die mit Videoinhalten aufgewachsen ist, eine Möglichkeit, sich kreativ auszudrücken und hoffentlich ein paar Euro dazu zu verdienen.

Anstatt für Filmkonserven zu bezahlen, investieren die Männer, Frauen, Jungen und Mädchen viel Schweiß und Geld, um ein Publikum von 1.000, 10.000, 100.000 und mehr Zusehern aufzubauen.

Dies sollte bei einer globalen Internetbevölkerung von mehr als vier Milliarden Menschen, nicht schwer sein!

Aber weit gefehlt! 

Die Newcomer müssen mit den professionellen Anbietern (Netflix, Apple, Amazon, etc) und auch mit der wachsenden OTT-Menge konkurrieren, die sich um Zuschauer und Werbung im Wettstreit liegt. Es ist wie einst das Kabelfernsehen, aber auch wiederum völlig anders. Die Wettbewerbslandschaft wurde immer größer und jeder will neue, andere Dinge anbieten.

Es braucht Zeit - und Geld … aber Leute von Verizon Go90, Shomi, Watchever, KPN Play und andere professionelle Content Delivery Firmen sind ungeduldig und müssen Entscheidungen treffen, um mit Netflix, Amazon und anderen führenden Contebnt-Unternehmen konkurrieren zu können.

  • Die Menschen wollen ständig neue, frische Inhalte.
  • Keine neuen Inhalte? ...Adios! 

Anstatt sich jedoch dem Wettbewerb zu stellen, meinen einige dieser Provider, dass ein möglicherweise weniger gefährlicher Weg zum Gewinn darin besteht, als Kontrolleur der Inhalte zu agieren.

An dieser Stelle im Auslieferungsbetrieb zwischen den Content-Anbietern und den Zuschauern können diese Unternehmen wirklich kreativ werden. Wird die Netztransparenz aufgehoben, können diese Unternehmen die unbegrenzt bereitgestellten Programme drosseln, indem die Inhalte beispielsweise auf Geschwindigkeiten von 600 Kbps verlangsamt werden.

Gegen diesen gefährlichen Weg opponiert inzwischen das gesamte Internet… 

… zumal sich der Appetit auf noch mehr Inhalte vergrößert hat:

  • Langformatige Inhalt (länger als 20 Minuten) wuchsen um 189 Prozent.
  • Mittelformatige Inhalte (5-20 Minuten) stiegen um 171 Prozent an.
  • Kurzform (kürzer als 5 Minuten) wuchsen um 178 Prozent.

Und es gibt ein wachsendes Interesse an langen Inhalten (über 40 Minuten) beim weltweit wachsenden Streaming-Publikum:

  • 87 Prozent: 18-24 Jahre alt
  • 90 Prozent: 25-34 Jahre alt
  • 78 Prozent: 35-49 Jahre alt
  • 63 Prozent: 50-59 Jahre alt

Ungeachtet dessen, was uns die klassischen Telcos und die Mobilfunkanbieter glauben machen wollen, sind größere, bessere TV-Geräte nach wie vor stark gefragt.

… aber die Bequemlichkeit, von jedem Bildschirm, zu jeder Zeit und an jedem Ort die Inhalte empfangen zu wollen, darf nicht unterschätzt werden…

Die Menschen werden immer bequemer und wollen alle Inhalte auf allen Bildschirmen konsumieren…

Die Anzahl der verfügbaren Premium-Inhalte - Netflix, Apple, Disney, Amazon und andere auf der ganzen Welt - ist gestiegen. Gleichzeitig sind die Kosten für den Service gestiegen aber gleichzeitig auch die Qualität der Services gesunken.

Die Motivation von Video im Social-Media-Bereich für den ständigen Nachschub an neuen, unterschiedlichen Inhalten, besteht darin, dass deren Schöpfer die globale Community bei Laune halten müssen.

Auf der VidCon hat YouTube erstmalig öffentlich zugegeben, dass man sich des Wettbewerbs der Social Medien sehr bewusst ist. Aus diesem Grund sollen zukünftig die Inhalte in den Bibliotheken weiter verfeinert werden und den Nutzern der YouTube-Plattform eine Reihe neuer Gründe geboten werden, dass diese darauf länger verweilen:

  • den YouTubern mit mehr als 100.000 Abonnenten soll ermöglicht werden, dass diese eigene Channel-Abonnements verkaufen können,
  • den YouTubern ermöglichen, Waren über ihre Kanäle verkaufen zu können.
  • eigene werbefinanzierte Podcasts starten zu können
  • und zusätzliche Funktionen ihren Kanälen hinzufügen können.

Facebook, die gerne gute Idee adaptieren, stellt den Nutzern publikumswirksame Features zur Verfügung und adaptiert diese (leicht modifiziert) von Snapchat, YouTube und anderen Live-Kanälen.

Um das Publikum der Milenials (Generation Y) anzulocken, garniert Facebook sogar seine Contents mit herkömmliche Medienseiten - ABC News, CNN und anderen, um kanalspezifische Nachrichtenprogramme zu liefern.

Die Zielgruppe von YouTubes und Instagram TV (IGTV) sind die Zuschauer im Alter von 20 und jünger. Diese Altersgruppe gehört zu den Hauptzielen für viele Marketingfachleute, die an der VidCon teilgenommen habe. Damit aber ein Video oder eine Werbung flächendeckend erfolgreich ist, müssen auch die 40-Jährigen erreicht werden…

… auf Basis von außergewöhnlich raffinierten Empfehlungslösungen sind Netflix und Amazon zu Zauberern bei der Investition in genau die richtigen Videoprojekte geworden…

Sie nutzen ihre Lösungen dahingehend, dass sie den Abonnenten genau die Dinge vorschlagen, die diese sich ansehen wollen - noch bevor die potentiellen Zuschauer wissen, dass sie eigentlich konsumieren wollen.

YouTube, Facebook und andere Social-Media-Videodienste rund um den Globus sind zu Meistern darin geworden, kostenlose Anzeigen in und um die Inhalte auf ihren Websites, ihren Videokanälen zu platzieren.

… da das TV mit OTT konkurriert, welches seinerseits mit dem digitalen Video konkurriert und dieses mit Social Video im Wettbewerb steht, ist es kein Wunder, dass die einschlägigen Marketing-Sessions auf der VidCon vollkommen überlaufen waren.

Marketer und Kreative mussten lernen, wie sie die demographischen Daten und das Vorschlags-/Empfehlungswesen am besten nutzen können.

… die Geschäftsideen, mit denen man Kanäle und Videos über die Plattformen hinweg bewirbt…

… diese reichen von verhaltensbasierten Mechanismen, die auf den Zuschauer länger bei der Stange hält bis hin zu Bonussysteme, damit die Zuschauer öfter wiederkommen….

Es braucht sicher noch viel Arbeit, um in der sozialen Videowelt ein richtiges Leben zu führen…

… aber es wird auch kniffliger, weil die Wettbewerber ihre Klingen schärfen…. Bzw. ihre Funktionen immer wieder "verfeinern" ….

… gleichzeitig schauen die Regierungsbehörden den Content-Anbietern sehr genau auf die Finger und überlegen, wie sie diesen Freigeist regulieren können...

In der Zwischenzeit werden sich die Anbieter gegenseitig beobachten, um zu sehen, was funktioniert - und was nicht - und dementsprechend "aufregende neue Funktionen" hinzufügen. 

Die Videoproduzenten im Social Media werden einfach weiterarbeiten und ihre Zuschauerzahlen in Echtzeit weiter ausbauen....

mat

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