2018-12-11 06:07:29

PACC - Wie die Finanz Kapitalflüsse prüft

Thoma Mares

Thoma Mares

Zur Prüfung von Kapital Zu- und Abflüssen hat das Finanzministerium das Predictive Analytics Competence Center (PACC) eingerichtet.

„Bedingt durch die zunehmend komplexer werdende Datenwelt (Big-Data) und die immer anspruchsvolleren Methoden (Predictive Analytics, Datamining) waren Strategie, Methoden, Ziel und Prozesse […] neu auszurichten. Aus diesem Grund wurde das Predictive Analytics Competence Center (PACC) […] eingerichtet.

Das PACC soll eine risikoorientierte Einsatzlenkung ausgehend von einer nach neuesten wissenschaftlichen Methoden durchgeführten Risikobeurteilung der Abgabenprozesse und damit verbundenen Vorhersagen der erforderlichen Kontroll- und Prüfungsmaßnahmen verantworten und durch eine ganzheitliche Evaluierung der Ergebnisse dieser Maßnahmen auch zu deren Optimierung beitragen […].“

So schreibt das Finanzministerium auf seine Homepage. Der Text ist wörtlich übernommen – so etwas kann man nicht erfinden. Es gibt also das PACC und zur Zeit beschäftigt sich dieses vor allem mit der Prüfung von Kapital Zu- und Abflüssen. Und genau hier ist der Punkt, an dem es interessant wird!

Wie hinlänglich bekannt, sind Banken verpflichtet, bestimmte Kapitalzu- und –abflüsse an die Finanz zu melden. Aus diesen 800.000 gemeldeten Zu- und Abflussmeldungen wurden jene Fälle extrahiert, die ein „höheres Risiko“ darstellen. Ein erhöhtes Risiko versucht die Finanz an zeitnahen Einkommensteuerbescheiden, Lohnzetteln, Erbschaften, Schenkungen fest zu machen. Auf Basis dieser Parameter  soll festgestellt werden, ob die Zu- und Abflüsse plausibel sind, oder eben nicht. 6.000 Prüfungsfälle mit vermeintlich höherem Risiko wurden ausgewählt und sind gerade in Abarbeitung.

Die Geldflüsse müssen mindestens € 300.000,00 betragen, damit sie überhaupt als relevant eingestuft werden. Der Betrag klingt hoch, allerdings ist zu bedenken, dass sich ein Betrag von € 150.000,00 der über zwei Bankverbindungen auf ein Depot einbezahlt wird, gleich mit € 450.000,00 zu Buche schlägt. Jeder Zu- bzw. Abfluss zählt, auch wenn es sich um das gleiche Geld handelt.

Neben der Unplausibilität der Kapitalflüsse sind auch noch folgende Faktoren relevant:

  • in der Steuererklärung sind ausländische Kapitalerträge
  • Kapitalabfluss nach Grunderwerb ist wesentlich höher als Kaufpreis
  • GmbH schreibt Verluste, trotzdem Kapitalabfluss vom Privatkonto
  • etc.

Kommt es zur Prüfung, gilt es folgende Fragen, am besten schon im Vorfeld, zu klären:

  • Wo befanden sich die Mittel vor Zu- bzw. Abfluss und wie lange?
  • Aus welchen Quellen stammen diese Mittel?
  • Wurden die Mittel seinerzeit ordnungsgemäß versteuert?
  • Wurde ausländische Quellensteuer bezahlt?
  • Wechseln die Mittel den Eigentümer?
  • etc.….

Werden Abflüsse mit der Aufnahme von Krediten erklärt, so ist einerseits die Zuzählung nachzuweisen und natürlich der Kreditvertrag vorzulegen. Bei unnatürlich niedrigen Zinsen im Verhältnis zum Risiko der Bank wird die Finanz wohl von einer zusätzlichen Besicherung ausgehen. Vielleicht mittels hinterlegtem Sparbuch? Auch darauf sollte es eine Antwort geben.

Wie hat sich das System bis dato bewährt?

Aus nicht repräsentativen Umfragen unter Steuerberatern ist zu erkennen, dass das System extrem fehlerhaft agiert. Die Mitarbeiter der Behörde sind ob der zusätzlichen Aufgabe, bei der (aus deren Perspektive) kein großartiger Output zu erwarten ist, wenig motiviert. Die betroffenen Steuerpflichtigen sind negativ irritiert, weil die Behörde vermeintlich grundlos in ihre Privatfinanzen hineinschnüffelt. Von Seiten der Finanz hört man, dass sich die Erfolge der Aktion bis dato in Grenzen halten, in sehr engen Grenzen wohlgemerkt.

Seien Sie trotzdem vorbereitet, wenn die Behörde anklopft!

Noch Fragen? Dann rufen Sie mich doch einfach an oder schicken eine E-Mail!

  Mag. Thomas Mares
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tm

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