2018-03-13 06:49:01

Österreichs Netzausbau stagniert

Traumbedingungen für österreichische Kunden: Sie können mit A1, T-Mobile und Drei zwischen drei exzellenten Mobilfunknetzen bei marginalen Qualitätsunterschieden wählen. Das zeigt der große CHIP Netztest 2018.

Gemeinsam mit den Testingenieuren von NET CHECK bescheinigt das Technikportal dem deutschen Nachbarland wieder Bestwerte für das Turbonetz LTE. Selbst auf die Tariflandschaft wirkt sich der enge Wettkampf der Giganten positiv aus. Die Führung unter den drei großen österreichischen Netzbetreibern bleibt jedoch unberührt. Vorjahressieger A1 kann sich wieder auf dem ersten Platz behaupten – dicht gefolgt von Hutchison Drei Austria und T-Mobile mit der Note „Gut“. Einziger Wermutstropfen: Im Vergleich zu Deutschland schreitet der Ausbau der Alpenland-Netze langsamer voran.

Telefonie: A1 mit VoLTE-Vorteil

Die Gesamtwertung des Netztests ergibt sich aus drei Kategorien: Mobiles Internet (55%), Telefonieren (40%) und Verfügbarkeit (5%). Mit der Note „Sehr gut“ (1,4) schneidet der Marktführer A1 besser ab als seine beiden Konkurrenten Drei (1,7) und T-Mobile (1,9). Bei den Messungen im Zug liegen A1 und Drei so dicht zusammen, dass beide als Sieger hervorgehen. In Wien hat Platzhirsch A1 mit 93,5 Punkten die Nase vorn. 

Noch 2017 herrschte Gleichstand zwischen A1 und Drei in der Sonderwertung „Bestes LTE-Netz“. Doch in diesem Jahr berücksichtigt CHIP in der LTE-Wertung neben dem Surfen und Saugen im Internet (maximal 80 Punkte) auch die Telefonie (maximal 20 Punkte). Hier profitiert Marktführer A1 von seinem technischen Vorsprung. Der Netzbetreiber bietet seinen Kunden als Einziger Voice over LTE (VoLTE) an. Die Telefonie über den 4G-Mobilfunkstandard sorgt für eine gute Sprachqualität und hat eine geringe Fehlerquote. A1 hatte auf der Teststrecke VoLTE flächendeckend implementiert. Größter Vorteil: Der schnelle Rufaufbau mit durchschnittlich 4,7 Sekunden lässt Drei und T-Mobile mit je 7,1 und 8,2 Sekunden hinter sich. „Kunden von Drei und T-Mobile, die im LTE-Netz surfen, müssen zum Telefonieren nach UMTS (3G) oder ins alte GSM (2G) wechseln. Für die Zukunft gilt: Ohne die Einführung von VoLTE werden die Konkurrenten in unserer LTE-Wertung nicht zu A1 aufschließen“, bilanziert Wolfgang Pauler, Testchef von CHIP. 

Internet: Schnell und zuverlässig

Die NET CHECK-Ingenieure arbeiteten sich quer durch die Alpenrepublik. Sowohl bei Autofahrten durch die Stadt, an City-Hotspots, auf Verbindungsstraßen sowie in Zügen setzten sie insgesamt 27 Smartphones parallel ein. Die Messergebnisse zeigen, dass sich LTE als zentrale Funktechnik etabliert hat. Die Fehlerraten bei Datentransfer, Webseitenaufrufen und dem Streamen von YouTube-Videosfallen generell extrem gering aus. Österreichs Netzanbieter glänzen mit hervorragenden Werten bei Up- und Downloads. Die Test-Webseiten wurden mit einer Erfolgsquote von 99 Prozent aufgerufen. Das gilt ebenso für das Hochladen von Fotos auf Facebook. Beim Abrufen eines Live-Streams von YouTube gibt es ein kleines Gefälle zwischen Stadt und Land: Auf den Verbindungsstraßen kann nur A1 mit einer Erfolgsquote von 98,7 Prozent an das Niveau in den Städten anknüpfen, während Drei und T-Mobile etwas abfallen.

„Unser aktueller Netztest zeigt, dass die Mobilfunknetze in Österreich auch 2018 schnell sowie gut bis sehr gut sind“, ergänzt Pauler. „Im Vergleich zu Deutschland beobachten wir aber eine Stagnation, da die hiesigen Netze im Vergleich zum Vorjahr technisch stark aufgerüstet haben." Im unmittelbaren Ländervergleich erzielt die Deutsche Telekom mehr Punkte als A1 Telekom Austria, während Vodafone vor Drei und T-Mobile in Österreich liegt. Kostenseitig profitiert der Österreicher von der engen Konkurrenz der Anbieter: Für zehn Euro pro Monat kann der Kunde über ein Datenvolumen von zehn GByte bei vollem LTE-Tempo von 300 Mbits/s verfügen. In Deutschland gibt es für den gleichen Preis nur ein bis drei GByte und eine Tempodrosselung bei 50 Mbits/s.

Von Bodensee bis Burgenland 

Die Spezialisten von NET CHECK legten für den Netztest Österreich 2018 eine Strecke von fast 7.500 Kilometern durch die ganze Alpenrepublik zurück. Vier Wochen lang sammelten drei Teams in knapp 150.000 Tests Millionen von Messwerten. Mit speziellen Rucksacksystemen prüften sie die Hotspots von sechs Metropolen, in elf mittelgroßen und 21 kleineren Städten. An stärker frequentierten Orten lässt sich messen, wie die Netze bei hoher Auslastung arbeiten. Zusätzlich scannten die Ingenieure die Qualität von Telefonie und mobilem Surfen in ländlichen Gebieten und auf Verbindungsstraßen. Dafür legten sie 1.350 Kilometer mit dem Zug und 5.700 Kilometer mit dem Messauto zurück.

Das gesamte Testergebnis finden Sie unter chip.de.

mat

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