2018-05-14 08:13:40

Gütezeichen sind oft schädlich für die Umwelt

Eine Studie der unabhängigen Organisation Changing Markets Foundation schließt sich der Greenpeace-Kritik an Gütezeichen an und zeigt, wie die Industrie mit Kennzeichen oft auf Kosten der Umwelt Profit macht.

Beispiele sind unter anderem das Fisch-Siegel MSC oder das Palmöl-Zeichen RSPO. Diese hätten versagt, so das vernichtende Urteil im Report. Statt Umweltzerstörung zu unterbinden, hat sich die Situation weiter verschärft: 90 Prozent der globalen Fischbestände sind mittlerweile entweder bis an die Grenze genutzt oder überfischt. Trotz Initiativen wie dem RSPO geht auch die Waldzerstörung für Palmöl weiter. Alleine in Indonesien hat sich die Palmölproduktion in den letzten 25 Jahren fast versechsfacht. Greenpeace hatte bereits im Februar einen Gütezeichen-Report veröffentlicht und vor Greenwashing gewarnt.

„Siegel wie MSC und RSPO geben vor nachhaltig zu sein und täuschen damit die Konsumentinnen und Konsumenten“, sagt Greenpeace-Sprecher Herwig Schuster: „Die Industrie nutzt gerne die Kennzeichen um den Verkauf von Produkten wie Fisch oder Schokolade anzukurbeln. Damit muss endlich Schluss sein. Die Konsumentinnen und Konsumenten als auch die Umwelt verdienen hier Besseres.“ Fischereien können etwa das MSC-Zertifikat erhalten, obwohl sie Grundschleppnetze verwenden. Diese Fangmethode ist besonders problematisch, da sie den Meeresboden zerstört. Zudem ist eine hohe Beifangquote kein Ausschlusskriterium beim MSC. So wird von Fällen berichtet, wo MSC-zertifizierte Fischereien tausende Delphine töten. Trotzdem vermarktet der MSC seine Produkte mit dem Beisatz „aus nachhaltiger Fischerei“. „Ob die Fischereien sich an die Spielregeln halten und tatsächlich nachhaltig Fischen oder nicht ist für den MSC irrelevant. Mit ernstzunehmender Umweltzertifizierung hat das nichts mehr zu tun“, kritisiert Schuster.

Auch bei der Zertifizierung von Palmöl wird ähnlich getrickst. Der RSPO ist heutzutage für 19 Prozent des weltweit gehandelten Palmöls verantwortlich. Doch die Kriterien des RSPO sind extrem schwach: Regenwälder dürfen weiterhin gerodet und Pflanzengifte eingesetzt werden. Ebenso wird immer wieder von Menschenrechtsverletzungen und Kinderarbeit auf RSPO-Plantagen berichtet. „RSPO ist ein Zusammenschluss mächtiger Konzerne auf freiwilliger Basis mit schwachen Standards. Und  selbst die werden nachweislich ignoriert“, sagt Schuster. Die Vermarktung solcher Gütezeichen wird jedoch weiterbetrieben: RSPO und MSC haben dem Lebensmittelhandel ihre Kennzeichen mit hohem finanziellen Profit als nachhaltig verkauft, sie damit aber auch seit Jahren vorsätzlich getäuscht. So streift der MSC allein an Lizenzgebühren jährlich rund 17 Millionen Euro ein.

„Kontraproduktive Gütezeichen müssen vom Markt verschwinden. Damit sich die Konsumentinnen und Konsumenten besser orientieren können braucht, es Kennzeichen, die nicht nur Umweltschutz vorgeben, sondern auch tatsächlich umsetzen“, so Schuster.

Die Zusammenfassung der Studie „The false promise of certification“ von der Organisation Changing Markets Foundation finden Sie unter https://bit.ly/2JFXjPn

mat

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