2018-08-26 09:12:17

Erst kräftig investieren, später vielleicht profitieren

Mal ganz ehrlich: Welches Unternehmen hat durch den Schwenk zu Voice-over-IP die versprochenen Einsparungen erreicht?

Zugegeben, dass alles klang sehr logisch. Man macht aus zwei separaten Netzen für Sprache und Daten nur eines, und spart kräftig ein. Genauer betrachtet sah die Gleichung „1 + 1 = 1“ aber schon immer etwas schief aus – oder?. Dementsprechend ist das Ergebnis für die meisten Unternehmen unter dem Strich anders ausgefallen: Neben der Anschaffung neuer Systeme, die Einführung von Quality-of-Services und Hochverfügbarkeitsmaßnahmen, um den kollisionsträchtigen Ethernet-LANs Beine zu machen. Dazu kam das neue Netzwerkmanagementsystem. Denn das alte verstand sich weder auf QoS noch auf komplexe High Availability-Konstellationen. Nicht zu vergessen IT-Sicherheit, weil plötzlich im IP-Netz auch an den Sprach-Ports Angriffe drohten. Denn von einer verhältnismäßig sicheren, verbindungsorientiert arbeitenden TK-Welt hatte sich das Unternehmen ja verabschiedet. Und dann das noch: Die TK-Leute ließen sich nur widerwillig ins Korsett eines konvergenten IP-Netzes zwängen. Das führte zu Reibungsverlusten, also finanziellen Einbußen.

Also nichts mit schöner heiler konvergenter Einsparungswelt. Das soll eine Etage höher, über Sprach-/Daten-/Video-integrierte Applikationen jetzt ganz anders werden. Sie sollen den Unternehmen finanzielle Vorteile über eine höhere Produktivität ihrer Mitarbeiter bringen. Also diesmal „1 + 1 + 1 = 3“. Rein rechnerisch gesehen sieht das schon mal gut aus. Ohne erhebliche Investitionen wird es allerdings auch diesmal nicht funktionieren. Mit der Anschaffung, Installation und Integration von Unified Communication, Communication Center, Video-Conferencing und Web-Collaboration ist es nicht getan. Eine Etage höher müssen auch die Managementansätze zu den neuen konvergenten Diensten und Anwendungen passen. Das gilt sowohl für die Überwachung und Steuerung dieser Applikationen als auch ihre zentralisierte Absicherung gegenüber unberechtigten Zugriffen. Ich habe so meine Zweifel daran, ob die netzwerklastigen Hersteller, die die neuen Sprach-/Daten-/Video-integrierten Applikationen offensiv in den Markt rücken, das schon hinreichend durchdrungen haben. Und was heißt das für die Unternehmen? Sie werden in größeren Kategorien wie IT-Service-Management und Identity- und Access-Management (IAM) handeln, investieren, projektieren und betreiben müssen. Rein rechnerisch gesehen wird also auch diesmal der versprochene finanzielle Vorteil, eine höhere Mitarbeiterproduktivität, von den Unternehmen erst einmal teuer erkauft werden müssen. Wie später das Gesamtergebnis für die Unternehmen unter dem Strich aussehen wird, bleibt abzuwarten.

Ihr Hadi Stiel

had

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