2018-09-09 08:28:40

Einblick mit Ausblick

Beim Genuss der großartigen Bewegtbildangebote dreht sich alles um die richtige Bereitstellung. Dummerweise gibt es manchmal einfach keinen richtigen Weg…

Die diesjährige CineGear in den Paramount Studios zeigte wieder einmal großartige Produktionstools (Kameras, Systeme, Software) und informative Sessions zur Produktion von 4K-, 8K-, HDR- und VR-Inhalten. Begleitet wurde die Ausstellung von ein paar Sessions zur Vermarktung der hochauflösenden Inhalte in einer schönen neuen Welt.

Vor ein paar Wochen strömten auch Menschen aller Altersgruppen zur VidCon. Die Menschen wollten erfahren wie man auf YouTube, Facebook, Twitter, Instagram und den anderen Kanälen sehr viel Geld verdienen kann.

Mehr als ein paar Besucher dieser Messen haben gehofft, dass sie mit unterschriebenen Influencer-Verträgen oder zumindest einem Kanal, den sie ausbauen könnten, nach Hause gehen würden…

Die Veranstaltungen waren zwar sehr unterschiedlich, aber kreisten um ein gemeinsames Thema: Wie fängt man mit noch unterhaltsameren und informativeren Inhalten die Zuseher ein.

Auf der CineGear waren die Pionierinnen der Kinematographie vertreten, während man auf der VidCon den chaotischen Zustand des Wandels einer Branche sehr genau ablesen konnte.

  • Manche Leute rochen Blut…

  • andere Leute rochen einfach nur Geld.

Egal wer die großen Bildschirme und die hochgelobten Serien betrachtet, für die Branche (Netflix, Amazon, Hulu, Roku und andere OTT-Dienste) sind stetig wachsende Zuschauerzahlen wichtig. Die Realität lautet jedoch: Die Zuschauerzahlen steigen nicht wie gewünscht an.

  • Das gleiche gilt jedoch nicht für Smartphones…

Die Nachfrage nach Smartphones wächst weiter. Das Wachstum wird jedoch nicht ewig anhalten. Auch in diesem Marktsegment gelten die alten Vertriebsweisheiten: Sobald die Penetration (eines beliebigen Produkts) im Markt 50 Prozent erreicht hat, verlangsamt sich das kontinuierliche Wachstum und die Gewinnung neuer Kunden wird härter und teurer.

Diesem Trend kann unter Umständen mit einer kontinuierlichen Preissenkung der Hardware entgegengewirkt werden.

  • Trotzdem werden sich die Unternehmen beim weiteren Marktwachstum schwer tun…

Wenn es nicht das Telefon (die Hardware) ist, sind es die Kosten des Services, die das Budget vieler potentieller Neukunden sprengen!

Die Anzahl der Mobilfunkteilnehmer stieg im ersten Quartal 2018 auf rund 7,9 Milliarden.

Die Sprachanrufe bleiben trotz steigender Teilnehmerzahlen hartnäckig niedrig. Dagegen steigt der Datenverkehr von Jahr zu Jahr um 54 Prozent.

Die Menschen verbringen fast acht Stunden pro Tag damit, Medien zu konsumieren. In Kürze wird das mobile Fernsehen das klassische Fernsehen bei den Nutzerzeiten übertreffen.

Ich verstehe das. Ich würde gerne meine Kinder und all ihre Freunde beschuldigen, dass sie am Niedergang des klassischen Fernsehens schuld sind.

Leider ist es nicht so einfach und die Realität ist wesentlich komplizierter!

  • … denn die Menschen haben inzwischen festgestellt, dass der Konsum eines Spiels oder einer Show auf dem Smartphone praktisch ist...

  • …. und dieser Umstand erledigt die vielen Diskussionen darüber, was wir uns ansehen werden und wer die Kontrolle über die Fernbedienung hat.

Dieser sich verändernden Markt verändert auch den Bedarf der Zuschauer und somit die Entwicklung und die Produktion der zu übermittelnden Inhalte. Die traditionellen Medienunternehmen sind seit jeher bestrebt über den Verkauf über Reseller (Infrastrukturunternehmen, Kabelfirmen) ihre Inhalte zu verkaufen.

Jedoch sind die Firmen, die im Online-Zeitalter (Facebook, Amazon, Apple, Netflix, Google (FAANG) und BAT (Baidu, Alibaba, Tencent)) das Licht der Welt erblickten nicht an Durchleite- bzw. Partnergebühren interessiert. Aufgrund ihrer Attraktivität ziehen diese die Talente an und erstellen und verkaufen (im Abonnement oder werbefinanziert) die interessanten Inhalte selbst - für die Nutzer an den großen und kleinen Bildschirmen.

Da Netflix heute bereits weiß (dies hat die von ihnen bereitgestellte Technologie ermittelt), welchen Contents die meisten Leute in Zukunft sehen wollen, stellen sie entsprechend die richtigen Produzenten, Regisseure, Hollywood- und Nicht-Hollywood-Typen ein und schaffen somit die Voraussetzungen, dass die daraus resultierenden Serien von den Menschen auf der ganzen Welt (auf jeder Art von Bildschirm) gesehen werden können...

Die moderne Datenanalyse gepaart mit einer Prise Glück ermöglicht es den Unternehmen, ein neues Projekt zu kreieren, von dem sie wissen, dass dies von der Stammkundschaft honoriert wird, bevor die Schauspieler und die Produktionsressourcen eingestellt werden.

Die Möglichkeit des vorausschauenden Verstehens, was der Zuschauer in Zukunft auf seinem Gerät sehen möchte, ist der Motor für alle weiteren Entwicklungen. Die Möglichkeit, die Programmauswahl des Zuschauers individuell zu bedienen, reduziert die Produktionskosten und ermöglicht es den Bereitstellern der Inhalte bestmöglich an den Kunden weiterzugeben. Hierzu wird nicht nur flächendeckend die Werbung aktiviert und auf der Transportebene dafür gesorgt, dass die Transportnetze für die Auslieferung dieser Inhalte optimal vorbereitet sind.

Somit ist die wachsende Nachfrage nach optimalen Übertragungswegen (IP-Netzwerken) genauso wichtig wie die übertragenen Inhalte. Erst durch die Kombination von hochwertigen Übertragungswerten und eine ständig wechselnde große Auswahl an Inhalten ermöglicht den Anbietern die Bereitstellung von individuellen Nutzermodellen (Abonnements) und eine zielgerichtete und intelligente Werbung.

Auf ihrer Expansion in fast jedes Land (derzeit 190) fand Netflix heraus, dass die Menschen mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede aufwiesen.

Ein Hit ist ein Hit in jeder Sprache und jedem Land.

Ein maßgeschneiderter Film aus Frankreich wird auch in Indien oder Japan gute Ergebnisse liefern, genauso wie ein libanesischer Film in Kanada oder den USA von den Kunden angenommen wird.

Diese Vereinheitlichung der Geschmäcker spielt Netflix in die Hände. In diesem Jahr will das Unternehmen mehr als 1.000 Titel für den weltweiten Vertrieb über sein Netzwerk erwerben oder herstellen.

Auch wenn wir noch mit dem Bildschirm telefonieren, den wir in der Hand halten, wissen die Firmen, die regelmäßig am Mobile World Congress teilnehmen, dass bald die Zeit kommen wird, an dem sie die von den Content-Anbietern produzierten Inhalte dringend notwendig haben werden. Stehen die Inhalte nicht zur Verfügung können die bereitgestellten Übertragungskanäle nicht mehr gefüllt werden.

Aus diesem Grund hat der US-Telekommunikationsriese AT&T den Medienkonzern Time Warner (für 85 Milliarden Dollar) übernommen. Nur durch die zusätzlichen Contents verspricht sich das AT&T-Management einen nachhaltigen Zugang zu den Smartphone-Nutzern und den Werbekunden.

Da die Bereitstellung von Over The TOP (OTT)Inhalten und die Integration von Services für die mobile Welt eine zukunftssichernde Notwendig ist, wandeln sich die klassischen Kabelunternehmen zu sogenannten Mobile Virtual Network Operatoren (MVNOs).

Der Verkauf des klassischen Internet für zu Hause und auch der Verkauf der Mobilfunk-Servicepaket läuft vielerorts nicht mehr so gut wie früher. Auch sind die Nutzerzahlen bei den klassischen Kabelnetzbetreibern rückläufig. Um den Kundenschwund zu kompensieren versuchen viele Kabelfirmen auch die mobilen Kunden zu adressieren.

Durch die Kombination aus mobilen Diensten und dem klassischen Dienstangebot versuchen die Anbieter den Zugang (im Bereich der letzten 100 Meter) zu den Bildschirmen der Verbraucher zu kontrollieren - unabhängig von der Größe oder dem Standort des Bildschirms.

Aber ein großer Bestand an Filmen und Inhalten ist nicht genug, wenn der Kunde diese nicht empfangen und genießen kann.

  • Momentan ist der Zugang zu den drahtlosen Diensten noch ein steiniger Weg. Bei den Nutzern 1G bis 4G (von den analogen zu den digital IP-Diensten) war der mögliche Umsatz in der Vergangenheit vorhersehbar: Je mehr Nutzung, desto mehr Umsatz ließe sich erzielen....
  • … aber inzwischen haben wir eine neue Ära gestartet und diese bewegt sich jenseits der klassischen Unterhaltung.

In nicht allzu ferner Zeit wird alles (Geräte und Dienste) drahtlos miteinander verbunden werden und per IP kommunizieren. Das Konzept „IP Everywhere“ wird zur Realität werden und sogar das Internet der Dinge in den Schatten stellen. Die 5G-Technologie wird hierfür zwar die notwendigen Kapazitäten aber nicht ohne Schwierigkeiten und ohne zusätzliche Investitionen bereitstellen.

Momentan wird die Technologie der nächsten Generation positioniert und allen daran beteiligten Unternehmen wird langsam klar, dass es eine Menge Unterstützung von Dienstanbietern, Chipherstellern, Geräteherstellern und Softwareentwicklern erfordern wird, um die anvisierten Erfolge auch zu realisieren. Der Erfolg wird sich sicherlich nicht über Nacht einstellen und ein enormes Investment (die Experten sprechen von mehr als 200 Milliarden Euro) wird notwendig sein um starke, zuverlässige Signale und Services zur Bewältigung der wachsenden Nachfrage zu gewährleisten.

Inzwischen kann man sich weltweit kaum noch vor positiv gestimmten 5G-Studien und Marketing-Versprechen retten. Dabei wurden die ersten 5G-Standards erst vor kurzem veröffentlicht.

Die meisten Handy-Hersteller und Telefonunternehmen rechnen daher erst für das Jahr 2020 mit einem ersten Rollout der Produkte. Diese werden 10 Mal schneller arbeiten als die bisherigen Produkte und eine geringere Latenz und minimale Verzögerungszeit bieten. Diese Performance-Parameter sind bei der Übermittlung von Videosignalen besonders wichtig.

Die Umsätze werden laut den Prognosen bis zum Jahr 2025 etwa 2,5 Prozent pro Jahr steigen, da in den Industrieländern der Markt für drahtgebundene und drahtlose Netzwerke ziemlich gesättigt ist.

Will man neue Kunden in einem gesättigten Markt gewinnen, muss man diese seinem Konkurrenten abjagen.

Dieser Weg ist bekannt und holprig. Wer über den Preis verkauft, der wird früher oder später auf einen Wettbewerber stoßen, der bereit ist, einen besseren Deal anzubieten.

Um ihr Problem zu lösen, konzentrierten sich deshalb einige der großen Anbieter darauf, ihre Leistungen und Netzabdeckungen zu verbessern. Es hat sich auch herausgestellt, dass das zusätzliche Angebot an Inhalten von AT&T von deren Kunden kaum honoriert werden. Lange Ladezeiten und dazu noch höhere Kosten sind wenig attraktiv für den Kunden.

Die FAANG- und die BAT-Unternehmen und sogar die klassischen Medienfirmen kaufen mit ihren Scheckbüchern weltweit die TV, Filmgesellschaften und Filmarchive auf um damit das wankelmütige Publikum an sich zu binden.

Den Consumern ist es jedoch egal, ob die Inhalte von Disney, von Apple, von Fox, von BBC, von Wanda, von Fuji, von ITV, von Mediaset oder von irgendwelchen der Tausenden Fernseh-, Filmproduktionsfirmen der Welt kommen.

Was am Ende zählt ist die Qualität der bereitgestellten Services. Die Menschen werden den Anbieter nutzen, der ihnen die Inhalte über die schnellste und größte Pipe und mit den kürzesten Antwortzeiten bereitstellt.

Fazit

Egal ob man Kinder oder Erwachsener ist, wir mögen das Warten nicht. Wer künftig zu spät kommt und nicht die richtigen Inhalte mit den geforderten Echtzeitmerkmalen bereitstellt, wird sich zwangsläufig aus dem Markt verabschieden müssen.

mir

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