2017-12-10 12:13:52

Beauftragung ausländischer Unternehmer

Dienstleistungserbringung in Österreich:

Thomas Mares

Thomas Mares

Haben Sie schon mal mit dem Gedanken gespielt, bei vorübergehenden Kapazitätsengpässen ein ausländisches Subunternehmen mit der Auftragserfüllung in Österreich zu beauftragen? Sobald Sie überlegen, dies zu tun, müssen Sie jedenfalls 4-6 Wochen Zeit einplanen, bis es tatsächlich möglich ist. Außerdem sollten Sie über ein stabiles Nervenkostüm verfügen.

Th. Mares

Die – auch nur vorübergehende – Tätigkeit von ausländischen Firmen und deren Mitarbeitern in Österreich ist mit zahlreichen steuer- und sozialversicherungs-, arbeitsrechtlichen und sonstigen Vorschriften verbunden. Diese werden zunehmend strenger kontrolliert und die Nichteinhaltung ist mit hohen Strafen behaftet. Falls Sie sich fragen: Wie hoch sind hohe Strafen: Zur Zeit ist ein Fall im Instanzenzug, bei dem die Strafhöhe EUR 12.000,00 beträgt, pro Dienstnehmer natürlich!.

In einem ersten Schritt ist zu prüfen, ob es sich um eine Aktivleistung (Werkvertrag) des ausländischen Leistungserbringers handelt oder um eine Arbeitskräfteüberlassung. Dies ist auf Basis des folgenden Kriterienkatalogs zu tun.

  • Überlasser haftet nur für Eignung des überlassenen Personals und nicht für die Qualität des Werkes
  • Mitarbeiter haben den Weisungen des österreichischen Auftraggebers Folge zu leisten
  • Verwendung von Material des Auftraggebers
  • Organisatorische Eingliederung der Mitarbeiter

Ist nur einer der Punkte erfüllt, so handelt es sich um eine Arbeitskräfteüberlassung Faktisches Ergebnis: Ein Subunternehmer in der gleichen Branche erbringt praktisch nie eine Aktivleistung, sondern überlässt immer Arbeitskräfte! Wird trotzdem ein Werkvertrag abgeschlossen, kommt es zur Umqualifizierung in Dienstnehmer.

Bei Arbeitskräfteüberlassung hat der ausländische Auftragnehmer folgende Auflagen zu erfüllen:

  • ZK04 Meldung vor Beginn der Tätigkeit
  • Vorweisen einer Beschäftigungsbewilligung bzw. Entsendebewilligung bei 3.Staaten
  • A1 Formular beim ausländischen Versicherungsträger einholen (die SV-Pflicht bleibt bei Entsendungen bis 24 Monate in der Regel beim Entsendestaat)
  • Bei Entsendungen ist das 3.Staaten Abkommen zu prüfen
  • Falls kein A1 Formular vorliegt, besteht DB- und DZ-Pflicht 
  • Die Aufbewahrungspflichten der Lohn- und Meldeunterlagen sind einzuhalten
  • Das Lohn- und Sozialdumpinggesetz ist voll anwendbar

Der inländische Beschäftiger hat folgende Pflichten zu erfüllen:

 Die Steuerpflicht der Mitarbeiter beginnt mit dem 1. Tag der Tätigkeit in Österreich (Ausnahme Deutschland) durch:

  • Einbehalten von 20 % Abzugssteuer durch den österreichischen Auftraggeber oder –nehmer
  • Freiwilliger Lohnsteuereinbehalt zum Tarif durch den Auftraggeber oder –nehmer
  • Die Vermeidung des Einbehalts von Abzugssteuer ist durch vorherige Einholung eines Befreiungsscheines möglich. In der Regel gibt es keine Rückerstattung der durch den inländischen Unternehmer an das Finanzamt bezahlten Abzugssteuer. Sollte keine Freistellung im Entsendestaat erfolgen, hat entweder nachträglich ein freiwilliger Lohnsteuereinbehalt zu erfolgen oder ist ein Verständigungsverfahren einzuleiten.

Weitere Pflichten:

  • Kommunalsteuerpflicht nach 6 Monaten
  • Aufbewahrungspflicht für A1 und ZK04 Formular, Beschäftigungsbewilligung und Lohnunterlagen
  • Aufzeichnungspflicht nach dem Arbeitskräfteüberlassungsgesetz
  • Beitragspflicht zum Sozial- und Weiterbildungsfonds
  • Lohn- und Sozialdumpinggesetz ist voll anwendbar
  • Auftraggeberhaftung ist möglich

Sollten Sie noch immer Interesse haben, ausländische Arbeitnehmer in Österreich zu beschäftigen, finden Sie nähere Informationen auf unserer Homepage www.wth.at

Noch Fragen? Dann rufen Sie mich doch einfach an oder schicken eine E-Mail!

  Mag. Thomas Mares
e-mail: mares@wth.at
Tel: +43 (01) 330 75 46

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Erratum: In der letzten Ausgabe war statt „Steuerbetrag“ „Steuerberater“ zu lesen. Ich danke einem aufmerksamen Leser.

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